COPD Herz Kreislauf Schlaganfall Units 24-03-2017

Info:
Verbesserung für Notfallversorgung in Planung

In Zukunft wird es möglicherweise für die Notfallversorgung von
Patienten in Krankenhäusern nicht nur „Chest Pain Units“ und „Stroke
Units“ geben, sondern auch „Respiratory Failure Units“.

Die Vorbereitungen für ein entsprechendes Pilotprojekt sind jedenfalls
angelaufen, wie Dr. Thomas Voshaar, Präsident des Verbandes
Pneumologischer Kliniken anlässlich einer Pressekonferenz zum Auftakt
des 58. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin in Stuttgart berichtete. Im Laufe dieses Jahres sollen
diejenigen Kliniken benannt werden, die an der Erprobungsphase solcher
„Respiratory Failure Units“ teilnehmen, ein unabhängiges Institut wird
dann die Ergebnisse bewerten.

„Heute gehen praktisch alle Patienten mit dem geringsten Verdacht auf
einen Schlaganfall in eine Stroke Unit – eine hochspezialisierte
Einheit, die sich von der Aufnahme im Krankenhaus bis zur
Spezialversorgung sofort um den Patienten kümmert“, erläuterte Voshaar
den Hintergrund. Ganz ähnlich bei den Chest Pain Units: In dem Moment,
in dem ein Patient mit einem Thoraxschmerz die Klinik erreicht, wird er
sehr speziell, risikoadjustiert und auf sehr klar definierten Wegen
versorgt und nach der Ursache gesucht. Dieses Vorgehen rettet in diesen
Fällen Leben – und könnte dies wohl auch bei der chronisch-obstruktiven
Lungenkrankheit (COPD). Sie ist, so betonte Voshaar, unter den
chronischen Erkrankungen eine der häufigsten, mit einer Prävalenz von 13
Prozent – Tendenz steigend. Die Sterblichkeit ist hoch und wird laut
Voshaar ganz besonders von einer Situation geprägt, die ganz ähnlich
denen sind, die Patienten in die Chest Pain Unit oder Stroke Unit
führen: nämlich einer akuten symptomatischen Verschlechterung.

Hinzu komme, dass die COPD unter den weltweit häufigsten zum Tode
führenden chronischen Erkrankungen diejenige ist, die als einzige eine
zunehmende Prävalenz verzeichnet. „Das heißt: Wir haben ein wachsendes
Problem“, unterstrich Voshaar. Eine europäische Studie mit 16.000
Patienten in 13 Ländern habe untersucht, was geschehe, wenn ein Patient
mit einer akuten Exazerbation und Dyspnoe ins Krankenhaus kommt.

Nur bei der Hälfte der in der europäischen Studie untersuchten Patienten
habe man Erkenntnisse über die Lungenfunktion gehabt und nur bei 80
Prozent der Betroffenen wurde eine Blutgasanalyse durchgeführt. Bei
einem Fünftel der Untersuchten war die Situation also in etwa so, als
kämen sie mit Thoraxschmerzen in die Klinik und es würde kein EKG
geschrieben, illustrierte Voshaar. „Das ist überhaupt nicht tolerabel“,
so Voshaar – zumal es sich bei der Blutgasanalyse um eine doch recht
simple Diagnostik handele. Von den Patienten, bei denen diese Analyse
durchgeführt wurde, hatten 45 Prozent tatsächlich eine
Kohlendioxiderhöhung und 19 Prozent eine Übersäuerung des Blutes. Dies
seien wichtige Surrogatmarker für die Schwere der Erkrankung.

Da wundere es nicht, so Voshaar, dass elf Prozent der Patienten, die mit
Dyspnoe in eine der 440 an der Studie teilnehmenden Kliniken kamen,
innerhalb von 90 Tagen verstarben – davon die Hälfte noch während des
Krankenhausaufenthaltes. „Das ist deshalb vollkommen inakzeptabel, weil
wir lebensrettende Therapien vorhalten. Wir haben seit Jahren eine
überragende Evidenz dafür, dass zum Beispiel die akut eingesetzte nicht
invasive Beatmung Leben rettet. Wir haben hier eine Number needed to
treat von acht“, unterstrich Voshaar. „Es gab nur einen einzigen
Parameter in der Studie, der das Outcome der Patienten verbessert hat:
die Zahl der pneumologischen Spezialisten pro 1000 Betten.“

Die Daten seien so erschütternd, sagt Voshaar, dass man hier einen
unmittelbaren Handlungszwang sehe. Deshalb wolle man nun analog zu den
erfolgreichen Chest und Stroke Units spezialisierte Einheiten
etablieren, um Patienten mit akuter Dyspnoe einer Diagnose und
Behandlung zuzuführen. „Weil eigentlich schon alles da ist, was wir
brauchen, aber wir der Meinung sind, dass lebensrettende Therapien
bislang unzureichend genutzt werden, haben wir ein Pilotprojekt zur
Einrichtung von Respiratory Failure Units gestartet.“

Voshaar widersprach dem Einwand, dass hier nur eine weitere
Spezialisierung geschaffen werde, die sich in der Grund- und
Regelversorgung gar nicht umsetzen lasse. „Ich bin absolut der Meinung,
dass sich Fachgesellschaften nicht auf Dauer darin ergehen dürfen, sich
selbst und das, was sie in den spezialisierten Kliniken leisten können,
zur Schau zu stellen. Wir haben eine Verpflichtung, das, was wir geprüft
haben, in die Breite zu bringen – und das geschieht auch. Wir haben es
auch mit der nicht invasiven Beatmung geschafft, sie in Kliniken zu
bringen, wo gar kein Pneumologe ist. Wir müssen aber jetzt als erstes
diesen Schritt gehen und die Idee als Pilotprojekt etablieren. Dann wird
evaluiert und das Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft. Alles spricht dafür,
dass es hoch-ökonomisch ist. Dann werden wir einen Vorschlag machen, wie
man das Modell in die Breite bringen und auch an Häusern einrichten
kann, an denen man vielleicht nicht ein großes Pneumologen-Team hat,
aber trotzdem eine hervorragende Erstversorgung leisten kann.“


[@uelle Biermann Medizin] [ https://goo.gl/vQuHBV ]

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